Kennst du das? Draußen ist es eiskalt, du kommst ins warme Büro und holst dir einen Kaffee. In der Zeit reißt ein Kollege heimlich das Fenster auf, dreht die Heizung runter und stöhnt: „Puh, ist das warm hier!“
Du denkst nur eins: „Mach. Das. Fenster. Zu.“
Der Kampf ums Thermostat gehört zum Büroalltag wie der Morgenkaffee. Der eine schwitzt im T-Shirt, die andere friert im dicken Pulli. Und am Nachmittag macht die stickige Luft alle müde.
Ein gutes Raumklima ist kein Luxus, sondern die Basis für gesundes und konzentriertes Arbeiten. Dieser Guide ist für Office Manager:innen, Feel Good Manager:innen und HR. Er zeigt dir, welche Werte gelten und was du konkret tun kannst.
Warum lohnt sich ein gutes Raumklima im Büro?
Raumklima ist kein reines Wohlfühlthema, es beeinflusst messbar, wie gut dein Team denkt. In der COGfx-Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health lösten 24 Büroangestellte Denkaufgaben unter verschiedenen Luftbedingungen. Bei schadstoffarmer Luft lagen ihre Ergebnisse im Schnitt 61 % höher als unter typischen Bürobedingungen. Mit zusätzlich mehr Frischluft waren es sogar 101 %.
Auch Hitze kostet Leistung. Eine Auswertung des Lawrence Berkeley National Laboratory zeigt: Oberhalb von 25 °C sinkt die Arbeitsleistung um rund 2 % pro Grad. In einer Folgeauswertung lag die beste Leistung bei 21 bis 22 °C.
Wie warm darf es am Arbeitsplatz sein?
Die Arbeitsstättenverordnung verlangt eine „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur“. Die konkreten Werte für die Temperatur am Arbeitsplatz stehen in der Technischen Regel ASR A3.5 „Raumtemperatur“. Sie ist der Maßstab, an dem sich Arbeitgeber und Aufsichtsbehörden orientieren.
Arbeitsstättenverordnung Temperatur: die Stufen der ASR A3.5
| Temperatur im Raum | Was laut ASR A3.5 gilt | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| unter 20 °C | Zu kalt für Büroarbeit im Sitzen | Heizung prüfen lassen, Zugluft abdichten |
| 20 bis 26 °C | Zulässiger Bereich | 21 bis 22 °C anpeilen |
| über 26 °C | Arbeitgeber soll Maßnahmen ergreifen, wenn es draußen auch über 26 °C hat und der Sonnenschutz schon genutzt wird | Jalousien schließen, früh lüften, Gleitzeit nutzen, Getränke anbieten |
| über 30 °C | Arbeitgeber muss wirksame Maßnahmen ergreifen | Trinkwasser bereitstellen (Pflicht), Ventilatoren, Arbeitszeit vorverlegen, Dresscode lockern |
| über 35 °C | Ohne Maßnahmen wie bei Hitzearbeit kein Arbeitsraum | Raum nicht nutzen oder Schutz wie Luftduschen und Entwärmungsphasen einrichten |
Mindesttemperatur Büro: Was gilt im Winter?
Bei Büroarbeit im Sitzen muss die Lufttemperatur laut ASR A3.5 mindestens 20 °C betragen. Im Winter wird es vor allem an Fensterplätzen und in Eckbüros knapp. Ist die Temperatur im Büro zu kalt, muss der Arbeitgeber nachbessern, etwa die Heizung einstellen lassen oder Zugluft abdichten.
Miss die Raumtemperatur Arbeitsplatz für Arbeitsplatz, nicht nur am Thermostat. Die ASR A3.5 sieht dafür bei sitzender Tätigkeit eine Messhöhe von 0,6 Metern vor.
Warum frieren manche Kolleg:innen schneller?
Dass Menschen Temperatur unterschiedlich empfinden, ist keine Einbildung. Eine Studie in Nature Climate Change zeigt: Gängige Klimastandards beruhen auf dem Stoffwechsel eines rund 40-jährigen Mannes. Frauen haben im Schnitt einen niedrigeren Grundumsatz und frieren deshalb bei gleicher Einstellung eher.
Die ideale Raumtemperatur für alle gibt es also nicht. Als Kompromiss funktionieren für die meisten Teams 21 bis 22 °C. Den Rest regelst du über Sitzplätze: Wer schnell friert, sitzt besser nicht direkt am Fenster oder unter dem Luftauslass.
Wann ist die Luft im Büro zu stickig?
Luft im Büro ist stickig, wenn sie verbraucht, schwer oder drückend wirkt und zu wenig Frischluft enthält.
Bei Schmuddelwetter bleiben die Fenster oft den ganzen Tag zu. Die Folge: Der CO2-Wert steigt und das Team wird müde. Laut ASR A3.6 ist CO2 der wichtigste Anzeiger für verbrauchte Luft, wenn vor allem Menschen sie belasten.
| CO2-Gehalt Raumluft | Bewertung nach ASR A3.6 | Was du tun solltest |
|---|---|---|
| unter 1.000 ppm | Hygienisch unbedenklich | Nichts, weiter so |
| 1.000 bis 2.000 ppm | Hygienisch auffällig | Öfter lüften, festlegen, wer lüftet |
| über 2.000 ppm | Hygienisch inakzeptabel | Stärker lüften, weniger Personen im Raum |
ppm heißt „Teile pro Million“. Die Werte stammen aus der ASR A3.6 „Lüftung“.
Luftqualität messen statt raten
Eine CO2-Ampel oder ein CO2-Messgerät zeigt dir in Echtzeit, wann die Luft verbraucht ist. Grün heißt weiterarbeiten, Rot heißt Fenster auf. Das beendet nebenbei die Diskussion, wer wann lüften darf: Die Ampel entscheidet, nicht die Lautstärke.
Sick Building Syndrom: Kann das Büro krank machen?
Als Sick Building Syndrom bezeichnet man Beschwerden wie Kopfschmerzen, brennende Augen oder Müdigkeit, die nur im Gebäude auftreten. Laut Umweltbundesamt sind Schadstoffe in der Luft dabei nur in Einzelfällen die Ursache. Oft spielen Stress, die Tätigkeit und die Gestaltung des Arbeitsplatzes eine größere Rolle.
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Büro optimal?
Die optimale Luftfeuchtigkeit in Innenräumen liegt laut Umweltbundesamt bei 40 bis 60 %. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt keinen Mindestwert vor. Die ASR A3.6 nennt nur Obergrenzen bei hohen Temperaturen, etwa 55 % bei 26 °C.
Im Winter sinkt die Luftfeuchtigkeit im Büro durch Heizungsluft oft deutlich. Trockene Luft reizt Augen und Schleimhäute. Dazu kommt Staub: Ein Experte des Umweltbundesamts erklärt gegenüber Öko-Test, dass Staub bei trockener Luft umherfliegt und dann zusätzlich reizt.
Liegt die Luftfeuchte länger unter 30 %, können Luftbefeuchter helfen. Reinige sie regelmäßig, sonst verteilen sie Keime im Raum. Dauerhaft über 60 % begünstigt dagegen Schimmel.
Wie lüftest du im Büro richtig?
Richtig lüften heißt: kurz und kräftig statt dauerhaft gekippt. Gekippte Fenster tauschen wenig Luft aus und kühlen vor allem die Wände aus. Lüften nach Gefühl ist wie Putzen nach Gefühl: Am Ende ist keiner zufrieden.
So geht Stoßlüften nach ASR A3.6:
- Büroräume alle 60 Minuten lüften, Besprechungsräume alle 20 Minuten.
- Alle Fenster ganz öffnen, nicht nur eins.
- Kurz halten: im Winter 3 Minuten, im Frühling und Herbst 5 Minuten, im Sommer bis zu 10 Minuten.
- Verantwortliche festlegen, zum Beispiel pro Raum oder pro Teaminsel.
- Mit einer CO2-Ampel prüfen, ob der Rhythmus reicht.
Klimaanlage, Luftreiniger, Messgerät: Was lohnt sich?
- Klimaanlage Büro: Sie hält die Temperatur auch in Hitzewellen stabil. Plane den Einbau früh, denn im Sommer sind Fachbetriebe oft ausgebucht.
- Luftreiniger Büro: Er filtert Feinstaub, Pollen und Gerüche. CO2 entfernt er nicht, Lüften bleibt also Pflicht.
- CO2-Messgerät: Es kostet wenig und macht schlechte Luft sichtbar. Für Besprechungsräume ist es fast immer sinnvoll. Link zum Messgerät
Raumklima Büro: alle Richtwerte auf einen Blick
| Wert | Richtwert | Quelle |
|---|---|---|
| Mindesttemperatur Büro (sitzend) | 20 °C | ASR A3.5 |
| Ideale Raumtemperatur Büro | 21 bis 22 °C | Auswertung LBNL |
| Temperatur Arbeitsplatz Winter | mindestens 20 °C | ASR A3.5 |
| Obergrenze Sommer | 26 °C, darüber Maßnahmen | ASR A3.5 |
| Optimale Luftfeuchtigkeit Büro | 40 bis 60 % | Umweltbundesamt |
| Luftqualität Büro (CO2) | unter 1.000 ppm | ASR A3.6 |
| Stoßlüften | alle 60 Minuten, 3 bis 10 Minuten lang | ASR A3.6 |